
Warum sich Zahnprobleme massiv auf das Reiten auswirken und wie Du sie erkennen kannst.
Interview mit Martin Grell, Pferde-Dentalpraktiker und Tierarzt
Martin Grell ist der Tierarzt meines Vertrauens und auf Pferdezähne spezialisiert. Er hat sich extra für diesen Artikel die Zeit genommen, einige Fragen zu beantworten.
Susanne: Viele Leute sind überrascht, wenn sie hören, dass Pferde regelmäßig zum Zahnarzt müssen. Warum ist das so wichtig?
Martin: Auch Menschen sollten regelmäßig zum Zahnarzt gehen. Bei Pferdezähnen gibt es jedoch zudem noch zwei Besonderheiten: Einerseits wachsen Pferdezähne ungefähr 3mm pro Jahr und müssen auch entsprechend abgenutzt werden, damit keine Fehlstellung entsteht. Andererseits sind die natürlichen Winkel der Kauflächen bei Pferden nicht gerade, wie bei Menschen, sondern ca. 12-15° geneigt, damit das Futter erst gequetscht und anschließend gemahlen werden kann. Dadurch entstehen oben außen und unten innen regelmäßig scharfe Kanten, die Zunge und Schleimhaut empfindlich verletzen. Das sollte man eben einmal im Jahr korrigieren. In einer Untersuchung an 30.000 Pferden wurde festgestellt, dass nur 8% aller Pferde ohne Zahnprobleme sind.
Susanne: Woran kann der Laie einen guten Pferdezahnarzt erkennen?
Martin Grell: Das fängt natürlich mit der Ausrüstung an. Eine Raspel alleine macht noch keinen Zahnarzt. Man braucht verschiedene manuelle und maschinenbetriebene Instrumente um die Schneidezähne mit einer Diamantscheibe zu korrigieren, um die Backenzähne mit rotierenden Flächen zu korrigieren und scharfe Kanten schön mit der Handraspel abzuglätten. Das zweite, woran ich das erkennen kann, dass der Detalpraktiker ein Gesamtkonzept entwirft, dass er also nicht versucht, einfach Kanten rund zu machen, sondern eine Normokklusion herzustellen. Das Ziel muss sein, ein Gleichgewicht herzustellen, zwischen allen Teilen, die am Kauen beteiligt sind: Schneidezähne, Backenzähne und Kiefergelenk. Ein guter Dentalpraktiker sollte nicht nur auf Sicht arbeiten, sondern auch immer wieder mit der Hand nachfühlen.
Susanne: Ja, das kann man im Video gut sehen. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast.
